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Die Grundidee

Pflegekräfte und Menschen, die pflegebedürftig sind oder sich jetzt schon Gedanken über eine spätere Pflegebedürftigkeit machen, schließen sich in einer Genossenschaft zusammen. Sie organisieren selbstbestimmt gegenseitige Unterstützungsangebote, sozialpflegerische und medizinische Dienstleistungen. Dabei werden die Bedürfnisse der Pflegekräfte berücksichtigt und entsprechend moderne Arbeitsbedingungen geschaffen.

Die Genossenschaft verfolgt keine Renditeziele oder Umsatzziele wie gewinnorientierte Unternehmen oder Wohlfahrtsverbände. Sie kann deshalb in Zusammenarbeit mit den Pflegekräften – nach dem Prinzip der Selbstorganisation und Selbstführung – Dienstleistungen anbieten, die sich an den Bedürfnissen aller Beteiligten orientieren. Es sollen insbesondere die Wünsche der Pflegekräfte Gehör finden und sich keine hierarchischen Strukturen durchsetzen.

Die Gemeinschaft der Genossenschaftler entscheidet autark und selbstständig über

  • die Einführung benötigter Dienstleistungen,
  • die Verwendung erwirtschafteter Umsätze und die Verteilung von Gewinnen,
  • die Höhe von Rückstellungen und Löhnen,
  • benötigte Weiterbildung,
  • den Umgang mit Beschwerden und ihren Konsequenzen

Die Menschen vor Ort entscheiden auf der Basis einer vertrauensvollen und professionellen Beziehung, die das Fundament für die Entscheidungen der Gemeinschaft bildet.

Warum Mitglied werden in der Pflegegenossenschaft?

Aus BürgerInnen-Sicht: Die Pflege-Genossenschaft als Potential-Entfaltungsgemeinschaft

Seit einigen Jahren explodieren in vielen sozialen Organisationen die Kosten, ohne dass die von der Gesellschaft übertragenen Probleme gelöst oder zumindest positiv beeinflusst werden könnten.

Daher verfolgen wir die Idee der Potenzial-Entfaltungsgemeinschaft. Das heißt: Jedes Mitglied der Genossenschaft kann all seine Fähigkeiten einbringen, ohne von formalen Hierarchien behindert zu werden.

Dazu entwickeln wir eine Organisationsstruktur, die dieses freie Handeln unterstützt. Alle Bürgerinnen und Bürger werden eingeladen, sich in ihrem Stadtteil dem Pflege- und Unterstützungsnetzwerk anzuschließen. Alle können sich freiwillig durch ehrenamtliche Dienste für die Gemeinschaft und die Genossenschaft einsetzen. Wir möchten dass sich viele Bürger der Idee anschließen und Mitglied der Genossenschaft werden, weil wir überzeugt sind, dass Pflege für alle Seiten human gestaltet werden kann, ohne dass die Kosten explodieren.

Aus der Sicht der pflegebedürftigen Personen: Zuwendung und bestmögliche Betreuung

Für die Pflegebedürftigen stehen AnsprechpartnerInnen zur Verfügung, die bei Problemen und Herausforderungen Lösungen anbieten können. Durch das Zusammenspiel von Pflegekräften und ehrenamtlich engagierten Genossenschaftsmitgliedern entsteht eine enge Betreuungsdichte und es steht ein breites Spektrum an Betreuungsleistungen zu Verfügung.

Aus Sicht der Pflegekräfte: Selbstorganisation und Selbstführung

Die Mitarbeiter finden sich in Kleingruppen von maximal zwölf Pflegefachkräften zusammen und organisieren alle Belange ihrer nunmehr überschaubaren Gemeinschaft eigenständig. Sie organisieren sich dabei selber, ohne dass Vorgesetzte eingreifen. Denn die gut ausgebildeten Kräfte wissen sehr genau, wie sie welche Abläufe planen müssen, um gemeinsam mit dem Patienten passgenaue Lösungen zu erarbeiten.

Die Pflegekräfte werden von der Genossenschaft von administrativen entlastet (z.B. Buchhaltung, Auszahlung der Gehälter), um sich voll auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren zu können.

Die Prinzipien der Pflege-Genossenschaft in Kürze

für engagierte BürgerInnen als Genossenschaftsmitglieder

  • gemeinschaftliche Ermittlung von benötigten Unterstützungsleistungen
  • Aufbau der Genossenschaft als lernende Organisation
  • Prävention von Pflegebedürftigkeit
  • Aufbau eines informellen Netzwerkes
  • Einbringung von Unterstützungsleistungen nach eigenen Möglichkeiten

für die Pflegebedürftigen

  • seniorenbestimmte Pflege, Präventionsberatung und Unterstützung
  • ganzheitliche Versorgung pflegebedürftiger Menschen - Erbringung der dazu notwendigen pflegerischen und medizinischen Dienstleistungen
  • Erhaltung der Selbstständigkeit von Pflegebedürftigen
  • Aufbau, Pflege und Koordination eines stabilen verlässlichen formalen Netzwerkes in einem fest zugeordneten Gemeinwesen

für die Pflegekräfte

  • bestmögliche Arbeitsbedingungen für Pflegefachkräfte
  • Einrichtung von selbstorganisiert arbeitenden Pflege- und Fachkraftteams
  • Schulung der Fachkräfte in Beteiligungsmethoden

Die Pflege-Genossenschaft als Arbeitgeber

Wir sind davon überzeugt, dass unsere Gesellschaft viel mehr für Pflegefachkräfte tun muss, damit diese gute Rahmenbedingungen vorfinden, gesund bleiben und die Freude am Beruf nicht verlieren. Dazu gehören neben ordentlicher Bezahlung auch ausreichend Zeit zur Durchführung der Pflegetätigkeiten. Hiervon profitieren dann auch die pflegebedürftigen Menschen. Wir möchten deshalb ein starker Zusammenschluss von Menschen werden, die füreinander einstehen. Ihre Zufriedenheit ist unser zentrales Anliegen. Im Mittelpunkt stehen für uns immer die Erlangung bestmöglicher Pflege- und bestmöglicher Arbeitsbedingungen.

Die Pflege-Genossenschaft gründet deshalb einen ambulanten Pflegedienst, sobald sie genug Mitglieder hat. Gemeinsam werden in der Genossenschaft die Arbeitsbedingungen der angestellten Pflegekräfte so gestaltet, dass eine größtmögliche Zufriedenheit bei den Pflegekräften wie auch den Pflegebedürftigen entsteht. Ehrenamtliche und Hauptamtliche unterstützen sich gegenseitig und arbeiten vertrauensvoll zusammen zum Wohle der Pflegebedürftigen.

Finanzierung

Jedes Genossenschaftsmitglied muss mindestens einen Genossenschaftsanteil von 300,00 Euro erwerben und stellt monatlich für die laufende Arbeit einen Mitgliederbeitrag von acht Euro im Monat bzw. 80 Euro im Jahr zur Verfügung. Die Leistungen des genossenschaftlichen Pflegedienstes werden aus der Sozialgesetzgebung finanziert: durch die Pflegekasse, die Krankenkasse und das Sozialamt.

Weitere Mittel wollen wir durch Sponsoring und Ansprache von Mäzenen gewinnen. Zudem sollen Fördertöpfe auf kommunaler, landes- und bundespolitischer Ebene, auch der EU, angesprochen werden.

Auszeichnungen

Mit unserem Konzept haben wir den Deutschen Demografiepreis 2021 in der Kategorie New Work gewonnen.